Vorarlbergs Verkehrssicherheitswoche 2016 mit Schwerpunkt Ablenkung

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„Unaufmerksamkeit und Ablenkung“ sind die Hauptunfallursache Nummer 1 auf Vorarlbergs Straßen. Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) startet die Bewusstseinsbildungs-Aktion „Blindflug durch Ablenkung“ sowie gemeinsam mit dem Land Vorarlberg eine Aufklärungsoffensive bei Jugendlichen an Schulen.

Foto: KFV

Eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr – ob als Kraftfahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger – erfordert jederzeit die volle Konzentration auf das Verkehrsgeschehen. Eine kurze Unaufmerksamkeit kann unter Umständen nicht nur zu gefährlichen Verkehrssituationen oder riskanten Fahrmanövern, sondern auch zu schlimmen Unfällen führen.

1 Sekunde Ablenkung = 14 Meter Blindflug

Was wenige wissen: Wird die Aufmerksamkeit nur um eine Sekunde vom Straßenverkehr abgewendet, legt ein Fahrzeug bei 50 km/h nahezu 14 Meter im Blindflug zurück. Diese Tatsache wird mit der Aktion „Blindflug durch Ablenkung“ dem Betrachter anschaulich mittels eines 14 Meter langen Teppichs vor Augen geführt. Eine durchschnittliche Ablenkung dauert rund 4 Sekunden, das entspricht im Stadtverkehr einer Blindflugstrecke von über 50 Metern! „Ablenkungen wie z.B. das Telefonieren mit dem Handy können dramatische Folgen haben – viele Autofahrer sind sich des Risikos nicht bewusst. Ablenkung ist mittlerweile die Hauptunfallursache auf Vorarlbergs Straßen, deshalb werden wir in der Verkehrssicherheitswoche zu diesem Thema vermehrt Aufklärung betreiben. Mit der Verkehrssicherheitsaktion ‚Blindflug durch Ablenkung‘ wollen wir die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer gewinnen, und die Bevölkerung für die Gefahren sensibilisieren. Der „Blindflugteppich“ wird anschließend an die heutige Veranstaltung in allen Bezirken ausgerollt. Ziel ist es, die Anzahl der Verkehrsunfälle in Vorarlberg zu senken“, betont Mag. Martin Pfanner vom KFV.

Risikogruppe junge Menschen: Land Vorarlberg und KFV gehen in die Schulen

Das Handy ist und bleibt einer der wichtigsten Ablenkungsfaktoren im Straßenverkehr, insbesondere für junge Menschen. Und das nicht nur für Pkw-LenkerInnen, sondern auch für Moped- und RadfahrerInnen sowie FußgängerInnen. E-Mails checken, Textnachrichten verschicken, Musik hören und telefonieren – diese Dinge werden oft selbstverständlich nebenher erledigt. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert hundertprozentige Aufmerksamkeit. Um dieses Bewusstsein bei Jugendlichen zu fördern, bietet das KFV in Kooperation mit dem Land Vorarlberg seit Schulbeginn einen Workshop an, in dem die Gefahren von Multitasking behandelt werden. „Ziel des Workshops ist es, Jugendliche auf den Weg zu bringen, um die Kompetenz zu erwerben, mit Ablenkung richtig umzugehen. Denn ablenkungsfreie Räume gibt es nicht. Die jungen Menschen erhalten plakativ und einprägend die Auswirkungen von Ablenkung aufgezeigt, sie entwickeln ein Gefahrenbewusstsein dazu und erarbeiten neue Verhaltensweisen, um ablenkende Tätigkeiten zu vermeiden“, erläutert Dr. Brigitte Hutter, Leiterin der Verkehrsrechtsabteilung beim Land Vorarlberg. Der für Schulen kostenlose Workshop dauert zwei Unterrichtseinheiten und ist für Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren ausgerichtet. Interessierte DirektorInnen können sich unter der Email-Adresse aktionen@kfv.at für Workshops anmelden.

Ablenkung – Hauptunfallursache Nr. 1

Mit einem Anteil von 40 Prozent am Gesamtunfallgeschehen war Ablenkung 2015 die häufigste Unfallursache in Vorarlberg. Zum Beispiel ist das Unfallrisiko für Handy-Lenker ohne Freisprecheinrichtung fünfmal höher als für Nicht-Telefonierer. Die Konzentration entspricht der eines alkoholisierten Lenkers von mindestens 0,8 Promille. Neben der Handynutzung werden insbesondere Straßenkarten lesen, Suchen und Greifen nach Gegenständen, störende Mitfahrer, Essen, Trinken und Bedienung des Navigationsgerätes als risikoreich angesehen.  „Ablenkung ist jenes Risiko, das im Straßenverkehr am häufigsten unterschätzt wird. Daher empfehlen wir, bewusst auf ablenkende Tätigkeiten zu verzichten. Die Handytelefonie ohne Freisprecheinrichtung im Fahrzeug ist trotz neuer gesetzlicher Regelungen sehr stark verbreitet. Um diese Vergehen effektiver ahnden zu können, wären Erleichterungen in der Beweisführung hilfreich“, sagt Rudolf Salzgeber, Leiter der Verkehrsabteilung in der Landespolizeidirektion Vorarlberg.

Fakten und Zahlen für Vorarlberg:

  • 40 % aller Straßenverkehrsunfälle passieren durch Ablenkung (2015)
  • Rund 900 Personen verletzten sich bei Unfällen durch Ablenkung (2015)
  • Rund 42.000 Telefonate täglich ohne Freisprecheinrichtung im Vorarlberger Straßenverkehr
  • Rund 9.000 SMS täglich im Vorarlberger Straßenverkehr

www.ab-gelenkt.at – Video und Informationen

Unter dieser Adresse kann ein interaktives Video aufgerufen werden, bei dem man vorab die Auswahl hat, als welcher Verkehrsteilnehmer das Spiel durchlaufen wird. Auch die Ablenkungen, denen man sich aussetzt, sind frei wählbar. Die Auswahl beeinflusst den weiteren Verlauf des Videos. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Seite enthält auch einen Informationsteil zum Thema Ablenkung.